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PRESSEERKLÄRUNG – Studie: Geflüchteten Frauen droht hohe Arbeitslosigkeit

Führende Unternehmen verpflichten sich in neuer Initiative zu Hilfe beim Berufseinstieg
Sehr geringe Beschäftigungsquote bei weiblichen Geflüchteten in Deutschland

  • adidas, Barilla, EY und Pfizer sowie viele weitere Unternehmen helfen weiblichen Flüchtlingen bei der Erstellung von Lebensläufen, der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und dem Zugang zu beruflichen Netzwerken

Brüssel, 9. November 2021 – Die beiden gemeinnützigen Organisationen “Tent Partnership for Refugees” (Tent) und “Catalyst” haben ein paneuropäisches Mentorenprogramm ins Leben gerufen, um weibliche Geflüchtete in Europa beim Einstieg ins Berufsleben zu unterstützen. Tent ist ein Netzwerk von mehr als 200 Unternehmen, die sich der Unterstützung von Geflüchteten verschrieben haben. Catalyst ist eine global tätige Nonprofit-Organisation, die sich auf die Förderung von Frauen in Führungspositionen konzentriert.

Auf dem ersten europäischen Wirtschaftsgipfel für geflüchtete Frauen (“European Business Summit on Refugee Women”), der heute in Brüssel stattfand, haben sich 24 Unternehmen verpflichtet, in den nächsten drei Jahren 1.200 weibliche Geflüchtete – darunter auch kürzlich eingereiste afghanische Frauen – in praktischen Fertigkeiten zu unterstützen. Konkret handelt es sich dabei um Hilfe beim Verfassen von Lebensläufen, Vorstellungsgesprächen und Networking, um ihre Chancen auf einen angemessenen Arbeitsplatz oder einen beruflichen Aufstieg zu verbessern. Zu den Unternehmen gehören adidas, Barilla, EY, und Pfizer.

Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund einer neuen Studie, die heute von Economist Impact veröffentlicht und der von Tent gesponsert wurde. Diese zeigt den aktuellen Stand hinsichtlich des Zugangs zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Frauen in Europa auf. Die Forschungsergebnisse heben hervor, dass geflüchtete Frauen im Vergleich zu geflüchteten Männern ein viel niedrigeres Beschäftigungsniveau aufweisen. Dies gilt vor allem für die ersten Jahre nach ihrer Ankunft. Im Durchschnitt ist die Beschäftigungsquote aller weiblichen Geflüchteten in Europa mit 45 % relativ niedrig, verglichen mit 62 % bei den männlichen Flüchtlingen.

In Deutschland lag die durchschnittliche Beschäftigungsquote weiblicher Geflüchteter im Jahr 2017 sogar bei nur 13 % und damit weit unter den 74 % der einheimischen deutschen weiblichen Bevölkerung. Deutschland hat mit 1,8 Millionen Geflüchteten die höchste Zahl an Geflüchteten in Europa aufgenommen. Mehr als die Hälfte von ihnen kommt aus Syrien und ein Drittel ist Frauen. Die Beschäftigungsquote männlicher Geflüchteter ist mehr als doppelt so hoch wie bei den weiblichen Geflüchteten.Eine jüngere Studie aus dem Jahr 2019 zeigt indes, dass die Beschäftigungsquote geflüchteter Frauen mittlerweile auf das immer noch niedrige Niveau von 28 % gestiegen ist.  

In Großbritannien waren geflüchtete Frauen im Jahr 2017 nur halb so häufig erwerbstätig wie einheimische Frauen (35 % gegenüber 71 %), In Schweden, wo die Situation vergleichsweise besser ist, lag die Beschäftigungsquote von geflüchteten Frauen bei 55 % gegenüber 80 % bei einheimischen Frauen.

Ylva Johansson, EU-Kommissarin für Inneres, sagte: “Einen Beruf zu haben, dem man täglich nachgehen kann, ist in vielerlei Hinsicht wichtig. Der Beruf führt dazu, dass Beschäftigte ihren Lebensunterhalt verdienen, Teil einer Gemeinschaft sind und ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen. Geschlechtsspezifische Ungleichheiten limitieren die Möglichkeiten des Berufseinstiegs für geflüchteten Frauen erheblich. Diese Ungleichheiten werden durch Hindernisse verschärft, mit denen alle geflüchteten Personen konfrontiert sind, wie z. B. komplexe bürokratische Verfahren, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Zeugnissen, geringe Kenntnisse der Landessprache und begrenzte Kenntnisse ihrer Rechte. Es ist für die EU eine der obersten Prioritäten, hier Abhilfe zu schaffen. Indem wir die Beschäftigungslücke für geflüchtete Frauen schließen, können wir ihnen helfen, sich wirtschaftlich zu integrieren und sich in ihren neuen Gemeinschaften zu entfalten.” 

Die Studie geht auf einige der Gründe für diese Beschäftigungslücken ein. Sie hebt die vielen Hürden hervor, mit denen sich weibliche Geflüchtete bei der Arbeitssuche konfrontiert sehen. Dies reichen von mangelnden Kenntnissen des lokalen Arbeitsmarktes bis hin zu geringeren Sprachkenntnissen, fehlendem Zugang zu sozialen und beruflichen Netzwerken sowie einer höheren Belastung durch Kinderbetreuung und Haushalt.

Aus Überzeugung, dass der Privatsektor mehr tun muss, um diese Hindernisse zu überwinden, haben Tent und Catalyst in einer neuen Initiative 24 Unternehmen zusammengebracht. Im Rahmen ihrer Programme zur Förderung von Vielfalt und Integration in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande und dem Vereinigten Königreich werden über einen Zeitraum von drei Jahren jeweils mindestens 50 weibliche Geflüchtete als Mentor*innen betreut.

Zu den Unternehmen gehören: Accenture, The Adecco Group, adidas, American Express, Barilla, Bloomberg, BNP Paribas, Bpost, Coca-Cola zusammen mit Coca-Cola Europacific Partners, Costa Coffee und innocent, EY, H&M Group, Hilton, Intercos Group, ISS, ITT Motion Technologies, Levi Strauss & Co., ManpowerGroup, L’Oréal, PepsiCo, Pfizer, Randstad, Sodexo, Suez, und Swarovski.

Hamdi Ulukaya, Gründer von Tent und CEO von Chobani, einem großen US-amerikanischen Lebensmittelunternehmen, sagte: “Ein guter Arbeitsplatz ist eines der wichtigsten Dinge, die Geflüchteten helfen, sich besser in ihre neuen Gemeinschaften zu integrieren. Aber geflüchtete Frauen werden oft diskriminiert und sehen sich vielen Hindernissen bei der Beschäftigung gegenüber. Ich bin sehr stolz auf die Unternehmen, die sich heute bereit erklärt haben, diese Menschen zu betreuen. Angesichts des Arbeitskräftemangels in Europa in vielen Sektoren ist es für Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll, neue, fleißige und widerstandsfähige Talente auf den Eintritt in die Arbeitswelt vorzubereiten.”

Carlotta Köster-Brons, Leiterin des Hauptstadtbüros und National CSR-Coordinator Randstad Deutschland, sagte: “Vor allem nach dem großem Zustrom von Geflüchteten seit 2015 nach Deutschland haben wir gesehen, dass viele Geflüchtete, insbesondere Frauen, Schwierigkeiten haben, in ihrer neuen Umgebung den Einstieg in die Berufswelt zu finden. Als führendes Personaldienstleistungsunternehmen weiß Randstad, welchen Unterschied ein Arbeitsplatz für das Leben eines Menschen machen kann. Wir freuen uns, an dieser neuen Mentoring-Initiative teilzunehmen und damit geflüchteten Frauen beim Erwerb von Qualifikationen, die sie für die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt benötigen, zu helfen. Wir glauben, dass sie mit der richtigen Unterstützung eine sinnvolle Arbeit finden, finanzielle Unabhängigkeit erlangen und ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln werden.”

Patrick Sochnikoff, Country President Deutschland bei Sodexo, sagte: “Sodexo ist stolz darauf, seine Partnerschaft mit Tent mit dem Start unserer Zusammenarbeit in Deutschland zu erweitern. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Engagement für andere und die Leidenschaft für die Herausforderungen unserer Zeit das Fundament der Gesellschaft bilden. “Einen besseren Alltag für alle zu schaffen, um ein besseres Leben für alle zu schaffen” ist unser Leitsatz, nach dem wir jeden Tag leben. Unsere Mitarbeiter kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, mit unterschiedlichen Erfahrungen, verschiedenen Berufsausbildungen und Bildungsniveaus. Vielfalt ist ein natürlicher Bestandteil und ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Sodexo weltweit. Das Mentoring für geflüchtete Frauen, um ihnen zu helfen, ihr eigenes Potenzial in Deutschland zu entfalten, ist eine Herzensangelegenheit, die stark mit dem verbunden ist, was wir sind.”

Allyson Zimmermann, Executive Director, EMEA, Catalyst, sagte: “Bei der Arbeit mit einem Unternehmen im Nahen Osten hatte ich das Privileg, eine geflüchtete Frau kennenzulernen, die aus Syrien geflohen war und nun für eine große globale Organisation arbeitet. Ihre Geschichte, aber auch ihre Sorgen um andere geflüchtete Frauen zu hören, hat mich tief beeindruckt. Dieses Mentoring-Programm, bei dem wir uns geehrt fühlen, mit Tent zusammenzuarbeiten, ist ein wichtiger Schritt, um auf die Notlage von weiblichen Geflüchteten aufmerksam zu machen. Zudem zeigt es die Auswirkungen, die Mentoring auf ihr Leben, ihre Gemeinschaften und die Gesellschaft als Ganzes haben kann. Wir freuen uns, dass so viele multinationale Organisationen diese Initiative begrüßt haben und sinnvolle Maßnahmen ergreifen, damit keine Frauen zurückgelassen werden.”

Unternehmen, die an einer Teilnahme an der Mentoring Refugee Women Initiative von Tent und Catalyst interessiert sind, können www.tent.org/refugee-women-mentorship-initiative besuchen, eine E-Mail an info@tent.org senden oder den Leitfaden: “Wie Unternehmen als Mentoren für geflüchtete Frauen in Europa fungieren können” hier lesen.

Weitere Informationen über den Stand der Beschäftigung von weiblichen Geflüchteten in Europa und darüber, wie Unternehmen erfolgreich geflüchtete Frauen einstellen können, finden Sie in dem Bericht “Beschäftigung und Integration in Europa: Wie Unternehmen geflüchtete Frauen einstellen und talentierte Arbeitskräfte gewinnen können” hier.

 

Für Medienanfragen
Martin Halusa
Martin.halusa@fleishman.com
+ 49 172 576 63 31

Über die Tent Partnership for Refugees
Angesichts der steigenden Zahl von Flüchtlingen, die länger vertrieben bleiben, spielen Unternehmen eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Integration und Eingliederung von Neuankömmlingen in die Gemeinschaften. Die Tent Partnership for Refugees mobilisiert die globale Geschäftswelt, um das Leben und die Lebensgrundlagen von mehr als 30 Millionen Flüchtlingen zu verbessern, die gewaltsam aus ihren Heimatländern vertrieben wurden. Tent wurde 2016 von Hamdi Ulukaya, dem CEO und Gründer von Chobani – einem Multi milliarden-Dollar-Lebensmittelunternehmen in den USA – gegründet. Wir sind ein Netzwerk von über 200 Großunternehmen, die sich für die Einbeziehung von Flüchtlingen einsetzen. Tent ist davon überzeugt, dass Unternehmen Flüchtlinge am nachhaltigsten unterstützen, wenn sie ihre Kerngeschäftsaktivitäten wirksam einsetzen, indem sie Flüchtlinge als potenzielle Mitarbeiter, Unternehmer und Konsumenten gewinnen. Die vollständige Liste der Tent-Mitglieder finden Sie hier. Weitere Informationen finden Sie unter www.tent.org.

Über Catalyst
Die führende gemeinnützige Organisation Catalyst ist bestrebt, Chancen für Frauen und Unternehmen zu verbessern. Die im Jahr 1962 gegründete Organisation unterhält Niederlassungen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Indien und Australien. Mit ihren mehr als 700 Mitgliedern ist Catalyst eine zuverlässige Quelle für Forschungsmaterial, Informationen und Beratung im Hinblick auf die Arbeitswelt von Frauen. Catalyst ehrt mit seinem jährlich verliehenen Catalyst Award beispielgebende Initiativen zur Förderung von Frauen. Weitere Informationen finden Sie unter www.catalyst.org.

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