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PRESSEERKLÄRUNG: Aktuelle Studie dient als Blaupause für die erfolgreiche Integration Geflüchteter in den deutschen Arbeitsmarkt

  • Studie analysiert erstmals die Erfahrungen von 100 deutschen Unternehmen bei der Integration von Geflüchteten in ihre Belegschaft zwischen 2015 und 2021
  • Fast neun von zehn befragten Unternehmen planen, in diesem Jahr mehr Geflüchtete einzustellen
  • Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, positive Erfahrungen mit der Einstellung von Geflüchteten gemacht zu haben und nannten eine Vielzahl von wirtschaftlichen Vorteilen

Berlin, 17. Mai 2022. 

Während sich Deutschland auf die Aufnahme einer neuen Welle von Geflüchteten aus Afghanistan und der Ukraine vorbereitet, zeigt eine neue Studie, dass deutsche Unternehmen zwischen 2015 und 2021 erfolgreich Geflüchtete in ihre Belegschaft integriert haben. Vor dem Hintergrund des weiteren Rückgangs der deutschen Erwerbsbevölkerung und dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, auch durch die Covid-19-Pandemie, profitieren deutsche Unternehmen von der Integration Geflüchteter in ihre Belegschaft. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die heute in Berlin veröffentlicht wurde. Insgesamt gesehen, führt die Integration in den Unternehmen zu einer Vielzahl wirtschaftlicher Vorteile wie erhöhte Produktivität, Kreativität und Bindung der Mitarbeitenden.

Die Studie „Von der ‚Flüchtlingskrise‘ zum Jobmotor: Eine Analyse der Erfahrung von deutschen Unternehmen bei der Integration Geflüchteter“, der gemeinnützigen Organisation „Tent Partnership for Refugees” und des Forschungsinstituts DIW Econ analysiert erstmals die Erfahrungen von 100 mittleren und großen deutschen Unternehmen, die seit dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise” im Jahr 2015 Geflüchtete eingestellt haben. Als Blaupause bietet sie Empfehlungen, wie deutsche Unternehmen die Neuankömmlinge aus der Ukraine, Afghanistan und anderen Teilen der Welt erfolgreich integrieren können.

Trotz einiger von den Unternehmen angeführter Herausforderungen – darunter fehlende Sprachkenntnisse und Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer akademischer oder beruflicher Qualifikationen – bewerten die befragten Unternehmen die Integration von Geflüchteten in ihre Belegschaft als sehr erfolgreich: 64 Prozent gaben an, positive Erfahrungen gemacht zu haben. Während die Unternehmen bei der Entscheidung für die Beschäftigung von Geflüchteten anfangs ein Interesse an positiven sozialen Auswirkungen nannten, spüren sie auch erhebliche geschäftliche Vorteile.

Im Einzelnen gaben die Unternehmen an, dass die Einstellung von Geflüchteten zu folgenden Effekten führte:

  • Bessere Marktpositionierung: 80 Prozent berichteten von einer besseren Positionierung als attraktive/r Arbeitgeber/-in und 60 Prozent gaben an, dass sie auf internationalen Märkten erfolgreicher agieren.
  • Höhere Zufriedenheit der Mitarbeitenden: 78 Prozent stellten ein besseres Verständnis der kulturellen Unterschiede bei Ihren Beschäftigten fest und 68 Prozent berichten von einem höheren Engagement der Mitarbeitenden.
  • Höhere Mitarbeitendenbindung: 56 Prozent äußerten, dass sich die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit aller Mitarbeitenden erhöht hat, was zu geringeren Kosten für Neueinstellungen führt.
  • Höhere Produktivität: 57 Prozent sagten, dass sie von einer höheren Produktivität profitiert haben, die beispielsweise aus einer höheren Innovationskraft oder verbesserten Entscheidungsprozessen aufgrund einer größeren Diversität resultieren.
  • Gesteigerte Kreativität: 61 Prozent berichteten von einer gesteigerten Kreativität innerhalb des Unternehmens, da Geflüchtete beispielsweise Problemlösungen aus unterschiedlichen Perspektiven angehen.

Als Ergebnis dieser Erfahrungen wollen 88 Prozent der Unternehmen im Jahr 2022 weitere Geflüchtete einstellen. Dies ist von besonderer Bedeutung, da Deutschland in den wenigen Monaten seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine bereits mehrere hunderttausend Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen hat.

Prof. Dr. Alexander Kritikos, Ökonom und Mitglied des DIW-Vorstands, sagte: „Geflüchtete sind ein großes Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt. Viele von ihnen haben sich mittlerweile zu erfahrenen Arbeitskräften entwickelt, die den Personalbedarf in vielen Bereichen der Wirtschaft ausgleichen können. Viele Unternehmen haben diese Chance bereits genutzt und ihre Belegschaft mit Geflüchteten bereichert, die als abhängig Beschäftigte, Steuerzahlende und Konsumentinnen und Konsumenten zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft positiv beitragen“, so Kritikos weiter.

Andreas Wolter, Deutschland-Chef von Tent Partnership for Refugees, betonte: „Die Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt bringt erhebliche Vorteile mit sich. Obwohl deutsche Unternehmen bei der Integration von Geflüchteten schon eine Führungsrolle übernommen haben, können sie diese Rolle noch weiter ausbauen. Geflüchtete sehen sich immer noch von hohen Sprachbarrieren oder Schwierigkeiten bei Bewerbungsverfahren in Deutschland konfrontiert. Derzeit bereitet sich Deutschland darauf vor, Tausende von Afghan/-innen, Ukrainer/-innen und Geflüchtete aus anderen Teilen der Welt aufzunehmen. Hiervon können Unternehmen profitieren, wenn sie sicherstellen, dass sie diese Geflüchteten in ihre Belegschaft aufnehmen. Wie die Studie zeigt, ist dies eine Win-Win-Situation für Unternehmen und Geflüchtete: Sie können ein selbstbestimmtes Leben führen, während Unternehmen ihr Personal diversifizieren und einen engagierten, qualifizierten Talentpool gewinnen können“.

Heike Streubel, Integrationsbeauftragte der Unternehmensgruppe Gegenbauer – ein Unternehmen, das im Facility-Services-Sektor tätig ist und hunderte Geflüchtete in seinen Betrieben in Deutschland eingestellt hat – sagte: „Unsere geflüchteten Mitarbeitenden in Deutschland haben so viel Energie und Potenzial in unser Unternehmen eingebracht, und wir haben gesehen, dass ihre Loyalität und ihr harter Einsatz einen sinnvollen Beitrag zum Betrieb unseres Unternehmens leisten. Die Investitionen, die wir in sie getätigt haben – beispielsweise indem wir Ihnen Zugang zu einer Sprach-App verschafft haben, mit der sie berufs- und alltagsrelevante deutsche Wörter lernen können,– haben sich vielfach ausgezahlt.“

Deutschland hat nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (Stand: Ende 2020) von allen europäischen Ländern die meisten Geflüchteten aufgenommen – 1,9 Millionen seit 2015, davon 73 Prozent aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Weitere Ergebnisse und die vollständige Version der Studie finden Sie hier.

ENDE

Pressekontakt
FleishmanHillard

Martin Halusa
E-Mail: [email protected]man.com
Telefon: +49-172-576 6331

Josefine Loß
E-Mail: [email protected]
Telefon: +49-172-237 0722

Methodik
In der von DIW Econ durchgeführten Studie wurden 100 mittlere und große Unternehmen befragt, wobei mittlere Unternehmen im Schnitt rund 120 Mitarbeitende und große Unternehmen rund 5.310 Mitarbeitende beschäftigen. Die meisten von ihnen erwirtschaften einen Jahresumsatz zwischen zehn und 50 Millionen Euro. Die befragten Unternehmen kommen aus den verschiedensten Branchen – von Handel und Gewerbe über Dienstleistungen bis hin zum öffentlichen Sektor. Drei Viertel der befragten Unternehmen haben zwischen 2015 und 2021 zum ersten Mal Geflüchtete eingestellt.

Über Tent Partnership for Refugees
Angesichts der steigenden Zahl von Geflüchteten, die länger vertrieben bleiben, spielen Unternehmen eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Integration und Eingliederung von Neuankömmlingen in Gemeinschaften. Die Non-Profit-Organisation Tent Partnership for Refugees mobilisiert die globale Geschäftswelt, um das Leben und die Lebensgrundlage von mehr als 30 Millionen Geflüchteten zu verbessern, die gewaltsam aus ihren Heimatländern vertrieben wurden. Tent wurde 2016 von Hamdi Ulukaya, dem CEO und Gründer von Chobani – einem milliardenschweren Lebensmittelunternehmen in den USA – gegründet. Tent ist ein Netzwerk von über 220 großen Unternehmen, das sich für die Integration von Geflüchteten einsetzt. Tent ist davon überzeugt, dass Unternehmen Geflüchtete am nachhaltigsten unterstützen, wenn sie ihr Kerngeschäft nutzen, indem sie Geflüchtete als potenzielle Mitarbeiter/-innen, Unternehmer/-innen und Verbraucher/-innen einbinden. Weitere Informationen finden Sie unter www.tent.org.

Über DIW ECON
Die DIW Econ GmbH wurde im Jahr 2007 vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) als hundertprozentige Tochtergesellschaft mit Sitz in Berlin gegründet, um in projektbezogenen Kooperationen maßgeschneiderte Analysen für ihre Kund/-innen zu erarbeiten. Weltweit aktiv arbeitet DIW Econ eng mit öffentlichen Auftraggebenden, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie deutschen und internationalen Unternehmen zusammen. Die DIW Econ bildet damit eine Schnittstelle, an der das sektorspezifische Wissen ihrer Berater/-innen sowie fundierte Kenntnisse aus der ökonomischen Theorie und empirischen Methodik zusammenfließen – unter anderem in den Bereichen Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik, Regionalökonomie und Surveyforschung. Weitere Informationen finden Sie unter https://diw-econ.de/.

Als Unternehmen steht die DIW Econ in der langen Tradition und der Reputation des DIW Berlin. Dieses betreibt als unabhängige Institution mit Sitz in Berlin Grundlagenforschung, angewandte Forschung und wirtschaftspolitische Beratung.

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